420 Firmlinge stürmen das Stift Vorau zur “Spirinight” der katholischen Jugend Steiermark. Mitten drinnen meine sieben Burschen auf der Suche nach dem Spirit.
Der Wind pfeift durch die den Hof des Stiftes, dass schon 1163 gegründet wurde, aber von diesem Alter ist nichts zu spüren. Der Wind weht das lachen und plappern der 420 Firmkanidaten die sich heute, am 26.3.2010, in mehr als 20 Stationen und Workshops stürzen werden.
Die Anfahrt verlief trotz meiner spärlichen Fahrkünste ohne Zwischenfälle. Namenskärtchen ausgeteilt und den Stationenplan gecheckt, werden die Burschen langsam ungeduldig. “Mah, können wir endlich zur Kletterwand”, hört man öfters aus meiner zum Glück überschaubaren Runde. Andere Pfarren sind mit Bussen hier und haben fast zehnmal soviele Firmlinge mit.
Nach der kurzen Einführung geht es endlich zur Kletterwand. Eigentlich waren wir für einen anderen Workshop eingeteilt, aber die Kletterwand war einfach zu verlockend. Die Kletterwand war aber keine einfache Kletterwand. Die “Herrgottsloata” ist eine Themenkletterwand. Je nach dem gezogenen Thema, musste die Wand anders bezwungen werden, zum Beispiel mit verbundenen Augen, einem schweren Rucksack oder nur mit Griffen in einer bestimmten Farbe. Nachdem der letzte Firmling die Glocke läutete und ich mich erfolgreich vor dem klettern drückte, ließen mich die Burschen unüberhörbar wissen: “Hunger”. Na dann, Steckerlbrot backen. So richtig hat es keiner von uns geschafft, die einen waren schwarz oder fingen sogar zu brennen an während meines noch roh war.
Obwohl der Wind zischte und die Finger taub waren, ließen sich die Jungs nicht davon abhalten, die Station im Freien zu machen. Zuerst ging es blind durch einen Obstgarten und danach machten wir mit anderen Firmlingen Gruppendynamische Übungen. Ich kann mit stolz behaupten, dass meine Jungs sich gut geschlagen haben. Obwohl sie die anderen nicht kannten haben sie sofort mit ihnen zusammengearbeitet und hatten ihren Spaß.
Aber irgendwann wurde es doch zu kalt. Schnell einen Workshop gesucht der ein Dach über den Kopf hat. Und voila, schon sitzen wir drinnen und basteln Geschenke für die Firmpaten. Bilderahmen werden mit Serviettentechnik verschönert. Ich bin überrascht wie konzentriert und ruhig meine sonst so aufgeweckte Gruppe arbeitet. Deshalb mach ich es mir auf der Couch gemütlich und döse eine Zeit lang.
“Hunger” Okay, dann gehen wir halt ins Cafe. Der Donutberg wird sofort gesichtet und die Burschen langen zu bis ihnen der Zucker aus den Ohren schießt. Voll bis unter Ohren besuchen wir den Workshop “Gesalbt fürs Leben”. Dort wird zuerst der Ablauf der Firmung erklärt und später können die Jugendlichen ihre eigenen Salben mischen. Ein furchtbarer Gestankt weht durchs Zimmer. Ein Firmling war lustig und hat mehrere Duftstoffe zusammengemischt. Froh aus dem Zimmer zu kommen gehts zum nächsten Workshop, aber nicht ohne die eigene Creme.
Ein Highlight für meine Burschen war der Orgelworkshop. Wie gebannt hörten sich zu und löcherten die Workshopleiterin mit allen möglichen und unmöglichen Fragen. Schwerstarbeit, die Jungs von der Orgel wegzureißen. Aber es war nur mehr wenig Zeit und wir waren noch immer nicht beim Rollstuhlparcour. Nach längerer Wartezeit kommen wir endlich an die Reihe und der Parcours wird von Rollstühlen gestürmt.
Plötzlich war es 23 Uhr und die Messe mit den Weihbischof Franz Lackner begann mit Sido. Die meisten Firmlinge ließen es sich nicht nehmenden Song “Danke” mitzusingen. Nach einem kurzen Wortgottesdienst ging es wieder heimwärts. Wenn da nicht der Hunger wäre. Das leere Cafe wurde gestürmt und alles essbare wurde schnell vernichtet. Soll ja nichts schlecht werden. Zum Glück wurde auch im Auto keinem schlecht.
Aber wo war jetzt der Spirit? War er im basteln, beim Klettern, beim Donutberge vernichten? Ich habe den Spirit gefunden. Er war dort wo wir als Gemeinschaft Spaß hatten. Er war dort wo ich stolz auf meine Burschen war. Weil sie interessiert waren und bewiesen haben, dass sie bereit sind erwachsen zu werden.


